27. Januar 2015: 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz - Zeitzeugengespräch mit Michaela Vidlakova

Frau Vidlakova im Gespräch mit den 10. Klassen.
Frau Vidlakova im Gespräch mit den 10. Klassen.

Genau am 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz war Frau Michaela Vidlakova aus Prag zu Besuch in die Hauptschule Eichen gekommen, um den 9. und 10. Klassen über ihre Erlebnisse in der Zeit des Nationalsozialismus zu berichten.  

 

 

In beeindruckenden Worten erzählte sie von ihrem Aufenthalt im Konzentrationslager Theresienstadt, das in der damaligen Zeit als Sammel- und Durchgangslager diente, aus dem die Menschen dann später in die Vernichtungslager transportiert wurden.  

Die Ausgrenzung aus der Gesellschaft fand aber bereits vor dem Transport nach Theresienstadt statt. Als Kind erlebte Frau Vidlakova in Prag, dass die Familie das eigene Haus abgeben musste, der Vater den Beruf nicht mehr ausüben durfte und die verschiedensten Dinge des Alltags nicht mehr genutzt oder sogar abgegeben werden mussten. So wurde z. B. das Einkaufen auf eine Stunde am Tag beschränkt, viele Lebensmittel – wie Milchprodukte – durften gar nicht mehr an Juden verkauft werden und die eigene Wohnung musste aufgegeben werden. 

 

Als Frau Vidlakova 6 Jahre alt war, wurde die Familie mit einem Sammeltransport nach Theresienstadt, einer ehemaligen Garnisonsstadt gebracht.In einer Stadt, die Platz für etwa 10.000 Menschen hatte, lebten nun bis zu 58.000 Menschen.
Die Familien wurden hier getrennt. Frau Vidlakova verbrachte die Zeit in einem Kinderheim und konnte die anderen Familienangehörigen maximal zweimal in der Woche sehen. Die Situation im Lager war erniedrigend und bedrückend: Es gab sehr wenig zu essen, die Alten bettelten die Kinder um etwas Brot an, die hygienischen Bedingungen waren auch aufgrund der großen Anzahl von Menschen, die dort zusammengepfercht waren, äußerst schlecht. Es gab zuwenig Toiletten und Waschgelegenheiten. Krankheiten wie Typhus, Hepatitis und die Ruhr bedeuteten für viele der geschwächten Menschen den Tod. Auch Frau Vidlakova entging dem Tod durch Typhus nur knapp.  

Innerhalb des Kinderheimes versuchten Pädagogen, den Kindern mit einfachsten Mitteln Bildung und menschliche Werte zu vermitteln. Aber auch die Kinder wurden mit dem täglichen Sterben, dem Elend und den häufigen Transporten von Menschen in die Vernichtungslager im Osten konfrontiert.  

Nur durch einen Zufall entging die Familie diesem Schicksal. Die Familie war bereits einem Transport zugeteilt, als in der Nach ein heftiger Sturm das Dach eines Verwaltungsgebäudes beschädigte. Der Vater, der als Holzarbeiter im Lager beschäftigt war, musste bei den Reparaturarbeiten helfen und somit entging die Familie diesem Transport – es sollte der letzte Transport sein, der Theresienstadt Richtung Auschwitz verließ. Die Familie konnte nach dem Krieg gemeinsam wieder nach Prag zurückkehren.  

 

 

Tausende jedoch haben das Konzentrationslager Theresienstadt nicht überlebt. Ein Viertel der Menschen starb aufgrund der schlimmen Bedingungen im Konzentrationslager, viele andere starben in den Vernichtungslagern.  

 

Die Schüler hörten den Worten von Frau Vidlakova konzentriert und gebannt zu und fragten interessiert nach. Frau Vidlakova machte zum Schluss ihres Vortrags nochmal sehr deutlich, dass man an der Vergangenheit nichts ändern kann und deshalb etwas für die Zukunft tun muss. Oder, wie Friedrich Schorlemmer es ausgedrückt hat: „Erinnerung kann nicht ungeschehen machen, aber die Wiederholungswahrscheinlichkeit verringern.“